Geschichte
Eine Stadt im Wandel der Zeit
Die flächenmässig fünftgrösste Gemeinde des Kantons Zürich besteht aus den Dörfern Illnau, Effretikon, Ottikon und Bisikon sowie den Weilern Agasul, Bietenholz, Billikon (teilweise), First, Horben, Kemleten, Luckhausen, Mesikon (teilweise) und Oberkempttal. In der ersten schriftlichen Erwähnung wurden im Jahr 745 Illenavvia (Illnau), Erpfratinchova (Effretikon) und Makisinchova (Mesikon) genannt. 1634 lebten im heutigen Gemeindegebiet rund 880 Einwohner, 1799 waren es 2525; 1900: 2767; 1950: 4357; 1970: 13693; 1990: 14566; 2002: 15255.
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Der Weiler First (rechts) und Ottikon. | |
Steinzeitliche Einzelfunde im „Wildert“ sowie bronze- und eisenzeitliche Grabbeigaben bei Bisikon und Luckhausen weisen auf eine frühe Besiedlung hin. Umfangreicher sind frühmittelalterliche Funde, darunter die Grabhügelnekropole im „Studenbrunnenholz“ unterhalb von Ottikon. Im 8. Jahrhundert war Illnau-Effretikon durch die Alemannen weitgehend erschlossen, was 745, 764 und 774 durch Schenkungsurkunden der Beata-Landolt-Sippe an das Kloster St.Gallen bezeugt wird. Die in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts erstmals genannte Kirche in Illnau war der Mittelpunkt einer Grosspfarrei mit Filialkapellen in Kyburg, Ottikon, Rikon, Tagelswangen, Rossberg und Unter-Illnau. Das Patronat der dem heiligen Martin geweihten Kirche kam um 1125 durch eine Schenkung Adalberts von Mörsberg mit umfangreichen Gütern an das Schaffhauser Kloster Allerheiligen. 1515 trennten sich Kyburg, um 1525 Rossberg, 1711 Winterberg, Kleinikon, Grafstal und Tagelswangen von der Pfarrei Illnau. Nach der Reformation (1525) übernahm die Stadt Schaffhausen das Recht, den Pfarrer einzusetzen, das es 1834 dem Kanton Zürich abtrat. Allerheiligen, bzw. Schaffhausen, war bis 1832 der Haupt-Zehntbezüger; weitere wichtige Grundbesitzer waren im Mittelalter die Klöster Einsiedeln und St. Johann im Thurtal. Das „Krautmahl“, das die Zehntherren alljährlich der Illnauer Bevölkerung spendeten, wurde 1580 in den so genannten „Krautfonds“ umgewandelt, der 1798 für die Verpflegung der fremden Armeen herangezogen wurde.
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Illnau mit seiner reformierten Kirche. | |
Die Vogteirechte besassen im 13. Jahrhundert die Kyburger, nach 1264 die Habsburger, deren Dienstleute im 14. Jahrhundert die Moosburg bei Effretikon und wahrscheinlich auch die Burg Kemleten bewohnten. Nachdem Illnau mit der Herrschaft Kyburg 1424 und definitiv 1452 an die Stadt Zürich gekommen war, bildete es mit Kyburg, Lindau, Brütten, Volketswil und einigen Höfen den „Illnauer Teil“ der Landvogtei Kyburg, einen Gerichtsbezirk mit eigenem Untervogt. Im Illnauer Pfarreigebiet entwickelten sich im 16. und 17. Jahrhundert Ober- und Unter-Illnau, Ottikon, Rikon und Bisikon zu Dorfgemeinden, die ihre Eigenständigkeit bis 1929/31 als Zivilgemeinden bewahrten. Nach 1798 bildeten die Weiler östlich der Kempt die Zivilgemeinde der Oberen Höfe, während Effretikon, Bietenholz und Moosburg 1811 zur Unterhofgemeinde zusammengefasst wurden. Die 1798 im Pfarreigebiet eingerichtete politische Gemeinde Illnau gehörte ab 1798 zu den Distrikten Fehraltorf und Bassersdorf, ab 1803 zum Bezirk Bülach, ab 1814 zum Oberamt Kyburg und ab 1831 zum Bezirk Pfäffikon.
Seit früher Zeit war in der Gemeinde der Ackerbau vorherrschend; in den fünf Dorfgemeinden vermochte sich auch ländliches Handwerk anzusiedeln. Wichtige Gewerbebetriebe waren die Taverne zum Löwen in Ober-Illnau sowie die vier Mühlen Unter-Illnau, Talmühle, Mannenberg und Würglen. Gegen Ende des 17. Jh. verbreitete sich die textile Heimindustrie, die 1787 40 % der Einwohner beschäftigte. Um 1800 konnten sich nur noch 28 % aller Haushalte vom eigenen Land ernähren. Durch die Eröffnung von Spinnereien an der Kempt in den Jahren 1816, 1826 und 1830 sowie den Bau der Kempttal- und Usterstrasse verlagerte sich der Schwerpunkt vom Kirchdorf Ober-Illnau zum Gewerbedorf Unter-Illnau.
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Die Usterstrasse in Illnau (rechts) und die Bahnlinie Effretikon. Der erste Bahnhof entstand 1855. | |
1855 erhielt Effretikon einen Bahnhof an der Strecke Oerlikon-Winterthur, der sich 1876 durch den Bau der Pfäffiker Linie (mit Bahnhof in Illnau) und 1877 der Klotener Strecke zum Knotenpunkt entwickelte. Die ausgezeichnete Verkehrslage Effretikons wirkte sich auf die Siedlungsentwicklung aus: Während sich das früher unbedeutende Effretikon zusammen mit Rikon seit 1900 stark vergrösserte, stagnierte Illnau. Um 1920 war der untere Gemeindeteil zum ersten Mal bevölkerungsreicher als Illnau. Die enorme Bautätigkeit in Effretikon von 1955 bis 1972 veränderte das Gesicht der Gemeinde stark: 1970 wohnten 81 % der Einwohner im städtischen Effretikon, 11 % im dörflichen Illnau und 8% im übrigen ländlichen Gebiet. Ein markantes Zeichen dieser Wachstumsphase setzte die 1960 von Ernst Gisel erbaute reformierte Kirche mit ihrem modernen Glockenturm. 1982 wurde ebenfalls in Effretikon die katholische Kirche St. Martin erstellt.
Der Aufschwung Effretikons führte 1973 zur Namensänderung in „Stadt Illnau-Effretikon“, 1974 zur Einführung eines Gemeindeparlaments und zur Verlegung der Verwaltung nach Effretikon, die 1995 mit dem Bau des Stadthauses abgeschlossen wurde. In einer denkwürdigen politischen Auseinandersetzung wurde 1973 ein Entwicklungskonzept, das auf einer zukünftigen Einwohnerzahl von 40’000 beruhte, zugunsten einer Gemeindeplanung verworfen, welche die Stabilisierung der Bevölkerungszahl einleitete.
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Effretikon heute: rechts das Watt-Quartier, links das Stadthaus im Zentrum der Stadt. | |
Das Verhältnis zwischen Stellen- und Einwohnerzahl verbesserte sich nach der Ausscheidung von Industriegebieten in Illnau und Effretikon. 1995 standen 5900 Wegpendlern 4674 Arbeitsplätze gegenüber, davon 6 % im Landwirtschafts-, 37 % im Industrie- und 57 % im Dienstleistungssektor. Ab 1997 war im Gemeindeteil Illnau eine vermehrte Bautätikeit und ein entsprechender Bevölkerungsanstieg zu beobachten.
Quellenangabe:
Der obige Text beruht auf dem Artikel von Ueli Müller, „Illnau-Effretikon“, im Historischen Lexikon der Schweiz (elektronische Publikation HLS), Version vom 26.3.2002.







