Neuigkeit

Leitartikel des Stadtrates

Erika Klossner über die Schulbeurteilung.


SCHULE UNTER PRÜFUNGSSTRESS

Es ist wieder soweit – schon fünf Jahre sind vergangen. In der ganzen Stadt werden alle fünf Schulen einer Schulbeurteilung unterzogen. Wir wissen es eigentlich, aber gerne verdrängen wir es. Die Ankündigung erfolgt sehr früh, Termine werden gesetzt und Teamverantwortliche bekannt gegeben. Von jeder Schule sind umfang­reiche Unterlagen zu erstellen. Sie reichen von der Klassenzusammensetzung bis hin zu Arbeitsgruppenproto­kollen und Fragebogen an Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrpersonen. Die Schülerinnen und Schüler erledigen diese Arbeit in der Schule; ab der 4. Klasse am Computer. Aber die Eltern, was sagen sie zu unserer Schulqualität und wie gross wird wohl der Rücklauf ihrer Antworten sein?

Für uns als Schulpflege und für die Schulleitungen ist natürlich auch die Beurteilung durch die Lehrerschaft ein ganz wichtiger Indikator, wie sie unsere Schule beurteilen und wie wohl sie sich fühlen. Entsprechend ge­spannt sind wir auf ihre Rückmeldungen.

Auch wenn ich als Schulpräsidentin diese Aussensicht sehr schätze, spüre ich überall eine gewisse Nervosität, wenn diese Übung ansteht. In der Schule sind wir uns Prüfungen gewöhnt. Schülerinnen und Schüler müssen sich ständig bewerten und beurteilen lassen, bekommen ein Feedback und/oder eine Note. Aber wenn es um uns als Schule geht und um unsere eigene „Benotung“, dann ist das doch etwas anderes.

Wir stecken jetzt mitten in diesem Prozess. Die Fragebögen sind ausgewertet, das Evaluationsteam besucht in immer anderer Zusammensetzung für drei Tage eine unserer Schulen. Die ersten haben diesen Besuch schon gehabt, bei den anderen steht er noch vor der Türe.

Die Überprüfung und damit die Beurteilung gelten der Schule als Ganzes, nicht einer Lehrperson im Speziellen und auch nicht einer Klasse. Und trotzdem wird von einigen Lehrpersonen die Schulevaluation als Prüfung wahrgenommen. Ironischerweise liegt ein Fokus bei der Befragung auf dem Thema Prüfungen. Dieses ist aber nur eines von ganz vielen weiteren Beurteilungskriterien.

Es wird auch nach dem Wohlbefinden, nach dem Sinn oder Unsinn von Strafen oder über die Transparenz der Schule gefragt. Alle diese Antworten werden zusammengetragen und daraus einen Mittelwert errechnet. 1 = schlecht, 5 = sehr gut. Und dann stellt sich die grosse Frage: Wo stehen wir wohl? Bei der Rückmeldeveran­staltung an jeder Schule sitzen Schulleitung, Lehrpersonen und Schulpflege ziemlich angespannt da und harren der Dinge, die da kommen.

Welche Erleichterung dann, wenn die Bewertung zwischen 4 und 5 ist und nur ab und zu ein Resultat bei ei­nem genügend bis gut. Auch wenn wir unseren Schülerinnen und Schüler immer wieder sagen, nicht alle kön­nen sehr gut sein, ist man trotzdem ein bisschen enttäuscht, wenn der Durchschnitt bei 4 und damit bei „gut“ liegt. Theorie und Praxis sind halt immer etwas anderes.

Als Schulpräsidentin konnte ich mit dem Resultat bis jetzt immer zufrieden sein. Die Schulen in Illnau-Effre­tikon sind gute Schulen! Überzeugen Sie sich doch selber. Im Dezember werden alle neuen Berichte über unsere Schulen wieder auf dem Netz sein. Natürlich lesen Sie dort auch was man besser machen könnte, wo unsere kleinen Schwächen sind und vor allem aber auch, wo unsere Stärken liegen. Mit diesem Wissen und dem Bestreben, uns ständig zu verbessern, können wir jetzt alle wieder entspannen und auf die nächste „Prü­fungssituation“ in fünf Jahren warten.

Kontakt: praesidiales@ilef.ch

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