Neuigkeit

Leitartikel des Stadtrates

Urs Weiss sieht voraus.

„Gouverner, c’est prévoir!“

„Regieren ist vorausschauen!“ Diese Aussage von Emilie des Girardin, einem Pariser Journalisten, Literaten und Politiker im 19. Jahrhundert, werden wohl viele zustimmen. Doch ist es bekanntlich schwierig, die Zukunft vorherzusagen. Entwicklungen laufen heute bedeutend schneller ab, als noch vor zwanzig oder gar fünfzig Jahren. Schnell muss die Politik reagieren können. Doch haben wir es fertig gebracht, viele Gesetze und Verordnungen zu schaffen, die eben ein rasches „Vorwärtsmachen“ verunmöglichen. Dazu kommt noch ein markant schwindender Wille zur Zusammenarbeit.

Als in der Föhnnacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 zwei Drittel von Glarus zerstört wurden, war dies eine der grössten Brandkatastrophen des 19. Jahrhunderts. Am 14. Mai wurde eine Gemeindeversammlung und am 20. Mai desselben Jahres eine Landsgemeinde abgehalten. Schon so kurze Zeit nach dem Brand wurde das Wichtigste geregelt und der Start für den Wiederaufbau freigegeben. Es wurde beschlossen, dass der Kanton die Kosten der Gebäudeversicherung übernimmt und wie die reichlichen Spenden verteilt werden sollen. Am 18. Juli wurde der erste Entwurf für den Wiederaufbau mit 600 Grundstücken vorgelegt und am 18. Oktober folgten die endgültige Genehmigung und der Beginn der Arbeiten. Bis Ende 1863 wurden 518 Wohnungen in 288 neuen Häusern gebaut, 62 Ställe und Scheuen sowie acht öffentliche Gebäude und etliche Läden errichtet. Das alles passierte mit demokratischen Abläufen und ohne die heutigen Kommunikationsmittel. Auch wenn die Entscheide unter dem Druck des notwendigen Wiederaufbaus geschahen, war es doch eine Meisterleistung der Gemeinde- und Kantonsregierungen.

Vorausschauen heisst auch mit einem weiten Blick auf allfällige Bedürfnisse der nächsten und übernächsten Generation eingehen. Agieren statt reagieren kostet vielfach Zeit, Kreativität, Weitblick, Vorstellungsvermögen und Mut sowie in vielen Fällen auch Geld. Doch Nichtstun und sich im Strom der Geschichte treiben lassen kostet die nächste und übernächste Generation mehr. Neue Zeiten, neue Probleme, neue, kreative Lösungen!

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