Psychomotorik

Allgemeine Informationen zur psychomotorischen Therapie

Psychomotorische Therapie ist zuständig für Prävention, Erfassung, Abklärung, Diagnostik und Therapie von Störungen im Bereich Bewegung und Wahrnehmung und deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes. Sie bezieht dabei die Beratung des sozialen Umfeldes in ihre Arbeit mit ein.

Kinder und Jugendliche mit psychomotorischen Schwierigkeiten können im Kindergarten und in der Schule durch ihr Bewegungsverhalten, ihre geringe Konzentrationsfähigkeit und ihre Lernschwierigkeiten auffallen. Sie lenken die Aufmerksamkeit beim Turn-, Werk-,und Schreibunterricht auf sich. Manche ecken mit ihrem Sozialverhalten an und sind in ihren Entwicklungs-, Lern- und Ausdrucksmöglichkeiten eingeschränkt. Häufig leiden sie als Folge davon an mangelndem Selbstvertrauen. Sie sind auf Verständnis und Unterstützung seitens ihrer Umwelt angewiesen.

Einzel- oder Gruppentherapie


Therapeutinnen und Therapeuten mit entsprechender, staatlich anerkannter Ausbildung erteilen die psychomotorischen Therapiestunden in eigens dafür eingerichteten Räumlichkeiten.

Die Kinder gehen in der Regel einmal pro Woche in eine Einzel- oder eine Gruppentherapie, an der zwei bis drei Kinder teilnehmen. Eine Therapie dauert durchschnittlich ein bis zwei Jahre. Manchmal reichen jedoch einige wenige Therapiestunden.

Die Kosten werden von der Schule übernommen.

Der Therapieraum für Psychomotorik im Schulhaus Eselriet

Ziele und Methoden

Die Psychomotorik-Therapie will dem Kind ermöglichen, mit seinem Körper, seinen Mitmenschen und seiner Umgebung in Einklang zu kommen. Ziele sind:

  • die Entwicklung der Bewegung und der Wahrnehmung zu fördern
  • den Gleichgewichtssinn besser zu entwickeln
  • die Körperwahrnehmung zu verfeinern und weiter zu entwickeln und dem Kind so ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln
  • die Grob- und die Feinmotorik sowie die Graphomotorik zu fördern und zu verbessern
  • die Handdominanz herauszufinden und zu stärken
  • das Kind im Nutzen seiner Ressourcen zu unterstützen
  • das Selbstvertrauen zu stärken
  • Blockaden, die sich schlecht auf den schulischen Lernprozess auswirken, zu vermindern
  • das Umfeld für die Situation des Kindes zu sensibilisieren und zu beraten.

Die Methoden der Psychomotorik-Therapie sind vielfältig und gezielt auf die jeweilige Situation ausgerichtet. In den meisten Fällen steht das Spiel im Vordergrund. Das freie oder das gelenkte Spiel ermöglicht dem Kind:

  • das, was es erlebt, zu ergründen und zu verarbeiten
  • neue Verhaltensweisen auszuprobieren
  • gewisse Bewegungsabläufe und motorische Fähigkeiten zu lernen, zu üben und zu vertiefen

Graphomotorik

Probleme mit dem Schreiben sind bei Schulkindern häufig ein Anzeichen für eine psychomotorische Störung. Nicht selten entsteht ein grosser Leidensdruck beim Erlernen des Schreibens. Die häufigsten Probleme und die entsprechenden Ziele der Therapie sind:

  • Unsichere Händigkeit: In Zusammenarbeit mit den Eltern testet die Therapeutin oder der Therapeut das Kind, um die Handdominanz herauszufinden. Es gilt herauszufinden, welche Hand die bessere taktil-kinästhetische Wahrnehmung (Empfindungen der Haut, der Gelenke und Muskeln) aufweist, und dem Kind anschliessend zu helfen, Fortschritte zu machen.
  • Schlechte Lesbarkeit: Die Therapeutin oder der Therapeut sucht mit dem Kind die geeignete Schreib- und Stifthaltung, die Strichführung, das Schreibtempo sowie den richtigen Druck auf das Papier und übt mit ihm, bis die Schrift lockerer, leserlich und flüssig ist.
  • Schreibvorgang: Die Therapeutin oder der Therapeut übt mit dem Kind die Buchstabenformen sowie die Buchstabenverbindungen und den Schreibrhythmus, mit dem Ziel, den Schreibvorgang zu verinnerlichen.

Beratung

Der Erfolg einer Therapie hängt von der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten ab. In regelmässigen Gesprächen können Erfahrungen ausgetauscht, Verständnis für die Situation des Kindes geschaffen und Möglichkeiten der Unterstützung des Kindes gefunden werden. Wichtige Partner der Zusammenarbeit sind Eltern, Lehrpersonen, Aerzteschaft, Fachpersonen der Logopädie oder anderer Therapieformen. Die Psychomotorik-Therapeutin oder Therapeut steht unter amtlicher Schweigepflicht.

Die Anmeldung zur Abklärung für die Psychomotorische Therapie erfolgt mit Einverständnis der Eltern durch die Lehrperson über das Fachteam. Die Abklärungsergebnisse werden mit den Eltern und Lehrpersonen besprochen. Die Therapeutin stellt Antrag für die Therapie an die Schulleitung. Diese bewilligt die Therapie. Die Kosten werden von der Schule übernommen.

Links und Literaturliste

Weitere Informationen:

www.psychomotorik-therapie.ch
www.astp.ch 


Literatur

Verband Schweizerischer Psychomotorik-Therapeutinnen und –Therapeuten astp
Die Psychomotorik-Therapie
Informationen zur Berufspraxis in der Schweiz
Sekretariat, Postfach 534, 1870 Monthey

Schweiz. Verband der PsychomotoriktherapeutInnen ASTP
Psychomotoriktherapie
Edition SZH 1991, Luzern

Pauli/Kisch
Was ist los mit meinem Kind?
Bewegungsauffälligkeiten bei Kindern
Ravensburger 1998

Zuckrigel Alfred
Linkshändige Kinder in Familie und Schule
Reinhardt Verlag 1995, München

Helmut Köckenberger/Richard Hammer (Hrsg.)
Psychomotorik – Ansätze und Arbeitsfelder
Verlag Modernes Lernen 2004, Dortmund

Dorothea Beigel
Flügel und WurzelnPersistierende Restreaktionen frühkindlicher Reflexe und ihre Auswirkungen auf Lernen und Verhalten
Verlag Modernes Lernen 2003, Dortmund