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10 Jahre Kyburg bei Illnau-Effretikon

1. Januar 2026
Der Gemeindezusammenschluss jährt sich am 1. Januar 2026 zum zehnten Mal.

Heute, am 1. Januar 2026, blickt die Stadt auf die bereits zehnjährige, gemeinsam zurückgelegte Wegstrecke mit dem Illnau-Effretikon gewordenen Teil «Kyburg» zurück – und die Kyburgerinnen und Kyburger tun dies natürlich umgekehrt auch: Sie sind seit dem 1. Januar 2016, dem Tag, als der Zusammenschlussvertrag zwischen der ehemaligen politischen Gemeinde Kyburg und der Stadt Illnau-Effretikon formell in Kraft trat, Illnau-Effretikerinnen und Illnau-Effretiker. Dadurch waren sie von den Folgen des Zusammenschlusses wohl am meisten betroffen. Wir lassen den Prozess nochmals Revue passieren:

 

ZUNÄCHST DAS TECHNISCH-JURISTISCHE –

dann ist das Langweilige gleich geklärt:

Bei der Orts-Verschmelzung handelte es sich rein technisch gesehen nicht um eine ledigliche «Fusion», sondern genau genommen um eine «Absorbtionsfusion»: Dabei ging Kyburg in der Stadt Illnau-Effretikon unter bzw. in schöneren Bildern gesprochen «auf» – anders hätte es ausgesehen, wenn die beiden politischen Gemeinden eine neue solche gebildet hätten. Diese Variante der sogenannten «Kombinationsfusion» hätte einen neuen Gemeindenamen, eine neue Gemeindeordnung, Neuwahlen, usw. bedeutet. Das war jedoch nie Thema.

 

DAMIT KEINE LANGEWEILE AUFKOMMT: EIN PAAR WEILER MEHR…

Kyburg ist seit dieser «Einverleibung» also Teil der Stadt Illnau-Effretikon und gesellte sich so mit seinen eigenen Aussenwachten Billikon, Brünggen, Ettenhusen, Mülau, Neubrünggen, Seemerrüti und Weissental zum bereits heterogenen Gefüge von Illnau, Effretikon, Agasul, Bietenholz, Bisikon, First, Horben, Kemleten, Kyburg, Luckhausen, Mesikon, Oberkempttal und Ottikon.

 

WIE KAM ES ÜBERHAUPT DAZU?

Verschiedene kantonale Reformen erschwer(t)en die Eigenständigkeit von kleinen Gemeinden, wie es Kyburg damals war, zunehmends: Der damals neu ausgestaltete Finanzausgleich stellte die kleinen Gemeinden ihren grösseren Pendants gleich; sie mussten auf spezielle Beiträge des Kantons verzichten, um die Gemeindeaufgaben und Infrastrukturen zu finanzieren. Damit wurde es für kleine Gemeinden zu einer grossen Herausforderung, beispielsweise die Vorgaben des Volksschulgesetzes zu erfüllen oder Bestimmungen und Massnahmen der Raumplanung umzusetzen bzw. zu finanzieren. Der Kanton Zürich verfolgt mit diesen Reformen das Ziel, Gemeinden zu bilden, die dank einer gewissen Grösse in der Lage sind, ein zeitgemässes, qualitativ hochstehendes Leistungsangebot zu bieten und ihre Kernaufgaben selbstständig zu erfüllen. Anstösse zu solchen umfassenden Gebietsveränderungen können die Gemeinderegierungen selbst initiieren; nicht selten werden dazu aber auch Initiativen seitens der Stimmberechtigten lanciert. In Kyburg nahm der damalige Gemeinderat das Heft in die Hand:

Am 25. November 2012 äusserten sich die Stimmberechtigten der Gemeinde Kyburg erstmals im Rahmen einer Grundsatzabstimmung zur Frage, ob sich die Gemeinde mit einer Nachbargemeinde zusammenschliessen soll. Die «Braut» dieser möglichen Heirat war da noch nicht näher bestimmt.

Das Resultat dieser Befragung fiel deutlich aus: Bei einer Stimmbeteiligung von 77 % wurde die Vorlage mit 185 Ja- gegenüber 29 Nein-Stimmen klar angenommen. Damit erhielt der damalige Gemeinderat den Auftrag, mit den Nachbargemeinden Illnau-Effretikon, Weisslingen, Winterthur und Zell Verhandlungen für einen möglichen Zusammenschluss aufzunehmen. Illnau-Effretikon und Weisslingen erklärten sich bereit, mit dem Gemeinderat Kyburg Verhandlungen für einen Zusammenschluss aufzunehmen. Die übrigen zeigten kein Interesse.

 

SCHAULAUFEN – EINEM GESCHENKTEN GAUL, SCHAUT MAN NICHT INS MAUL.

Am 29. August 2013 war dann Brautschau: Die Kyburger Bevölkerung diskutierte Pro- und Kontra-Aspekte der beiden in Frage kommenden Heirats-Kandidatinnen – und damit sozusagen den Umfang der Mitgift.

Aus Sicht der Bevölkerung stellte der Erhalt des Schulstandortes ein wichtiges Beurteilungskriterium dar. Aber auch Verkehrsverbindungen, der Standort und die Erreichbarkeit einer Alterseinrichtung, das Dienstleistungsangebot, die Möglichkeiten zur demokratischen Mitwirkung, bestehende Zusammenarbeitsformen, das Vereinsleben, die Gemeindegrösse und der mögliche Zeitpunkt für den Zusammenschluss spielten eine Rolle.

Aufgrund dieser Diskussion hatte der Gemeinderat Kyburg in der Folge entschieden, den Stimmberechtigten eine Vorlage für einen Zusammenschluss mit der Stadt Illnau-Effretikon oder mit der Gemeinde Weisslingen zur Abstimmung zu unterbreiten. 

 

«JA, ICH WILL».

Das Verdikt der Stimmberechtigten? Das Votum der Kyburgerinnen und Kyburger sprach beim Urnengang vom 24. November 2013 eine deutliche Sprache. Bei einer Stimmbeteiligung von 74 % legten 158 Personen ein «Ja» ein - 53 Personen schrieben ein «Nein» auf ihren Zettel zur Frage bzw. zum Hauptantrag des Gemeinderates, einen Zusammenschlussvertrag mit Illnau-Effretikon zu erarbeiten.

Der Alternativantrag, nämlich einen Zusammenschlussvertrag mit Weisslingen anzustreben, wurde mit 84 Ja- und 122 Nein-Stimmen verworfen. 

Was folgte, waren unzählige Sitzungen der eingesetzten Projektgruppe, in welcher Vertreterinnen und Vertreter aus dem Stadtrat Illnau-Effretikon bzw. dem Gemeinderat Kyburg und deren Verwaltungen Einsitz nahmen. Sie erarbeiteten den konkreten Zusammenschlussvertrag, der als Entscheidungsgrundlage für die parlamentarische Debatte und letztlich für die finalen Volksabstimmungen diente. Dabei galt es, alle Konsequenzen, insbesondere auf die Stadtfinanzen, aufzuzeigen.

Der damalige Grosse Gemeinderat, das heutige Stadtparlament, genehmigte die Vorlage am 5. März 2015 einstimmig.

Am 14. Juni 2015 fanden in beiden Gemeinden die finalen Urnenabstimmungen statt. Dabei sprachen sich die Stimmberechtigten von Kyburg mit 81 % zum Zusammenschluss mit Illnau-Effretikon aus. Dort lieferte die gleichentags stattgefundene Volksbefragung mit 89 % gar noch einen hören Zustimmungswert.

 

DRITTE AUF DEM TREPPCHEN

Per 1. Januar 2016 stieg die Stadt Illnau-Effretikon damals zur flächenmässig drittgrössten Stadt auf. Vor ihr lagen die Städte Zürich und Winterthur. Später, ebenso durch einen Zusammenschluss gewachsen, nahm dann Wädenswil diesen Platz ein. Illnau-Effretikon rangiert heute auf dem vierten Platz.

Bevor die Verschmelzung jedoch Realität wurde, gab es jedoch auf operativer Ebene einiges umzusetzen: In Erinnerung bleibt die Harmonisierung und Migration zahlreicher Datensätze und laufender Geschäfte, die Integration von Daten der Einwohnerinnen und Einwohnern, der Steuerpflichtigen, der Hunde, die Übernahme von Baugesuchen und anderen Rechtsgeschäften, die Klärung und Harmonisierung rechtlicher Grundlagen, die Bereinigung er Gemeindegrenze, Zügelaktionen des Gemeindehauses samt Archiv, Überführung der Gemeindefinanzen, Übernahme des Strassen- und Kanalisationsnetzes, usw.

 

DER ORT OHNE NAMEN

Und eine kleine Anekdote bleibt noch zu ergänzen: Jene der verschwundenen oder gar entwendeten Ortsschilder. Offenbar befiel jemand in den Tagen vor dem Zusammenschluss eine Seelenrührung der Nostalgie, als er oder sie sich eines dunklen Nachts befliessen fühlte,  die Ortsschilder mit dem alten Gemeindenamen zu demontieren. Von alleine sind sie wohl kaum runtergefallen – der Wind dürfte sie auch nicht davon getragen haben.

Wohl zieren sie nun eine gute Stube – oder gleich mehrere. Auch wenn die Stadt Anzeige gegen Unbekannt erhob, kamen die Schilder bislang nie wieder zu Tage. Verbleib: Ungeklärt. Heute prangen an den Ortseinfahrten Beschriftungen mit der korrekten Ergänzung «Illnau-Effretikon».

Zuvor kam im Illnau-Effretiker Parlament mittels eines Vorstosses noch die kreative Idee auf, den Gemeindenamen ohnehin abzuändern. Man möge das hiesige bekannte Schloss als PR-Instrument nutzen und den Begriff «Kyburg» in die Stadtbezeichnung einweben, wurde sinniert. Möglicherweise mit der Abkürzung «Kylef?». Besser nicht. Bevor irgendwelche Vorschläge gewälzt wurden, beerdigte das Parlament weitere Prüfaufträge gleich selbst.

 

BEISPIELHAFTE HEIRAT

Marco Nuzzi, heutiger Stadtpräsident, blickt auf den damaligen Zusammenschluss durchaus positiv zurück. «Aus meiner Sicht verlief das Projekt dank der pragmatischen und kooperativen Haltung aller Beteiligten reibungslos und wie geplant», meint er. Er selbst war zu jener Zeit noch nicht Mitglied des Stadtrates und betont, dass sein eigener Einfluss sich im Wesentlichen auf seine Zustimmung im Stadtparlament beschränkt habe. «Die Abwicklung des Prozesses gilt im Kanton Zürich noch heute als beispielhaft».

Der Kanton Zürich liess die Folgen der Fusion über mehrere Jahre wissenschaftlich begleiten. Der im März 2024 publizierte Abschlussbericht zeigt unter anderem, dass sich die Bevölkerung von Kyburg mittlerweile stark mit Illnau-Effretikon verbunden fühlt.

Auch Nuzzi teilt diesen Eindruck: Die frühere Grenze zwischen Kyburg und Illnau-Effretikon spiele heute im Bewusstsein der Menschen kaum noch eine Rolle. Stattdessen nehme er ein gutes, respektvolles Zusammenleben wahr – bei gleichzeitiger Bewahrung der jeweiligen örtlichen Eigenheiten. «So wie wir dies in unserer Stadt zu tun pflegen, das gehöre sozusagen zum Erbgut der Stadt Illnau-Effretikon».

 

SÜSSER GRUSS DES STADTRATES ZUM JUBILÄUM

In den Tagen vor Weihnachten erhielten die Kyburgerinnen und Kyburger zur Feier des Tages einen süssen Gruss des Stadtrates in ihre Briefkästen zugestellt – einen Biber, der die Wappen von Illnau-Effretikon und der ehemaligen politischen Gemeinde von Kyburg trägt. Der Stadtrat bedankt sich bei der Kyburger Bevölkerung für deren Engagement, das Vertrauen und die Wertschätzung in den vergangenen zehn Jahren. «Viele wertvolle kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Institutionen, Anlässe und Traditionen werden dadurch lebendig gehalten. Gleichzeitig bereichern sie das politische und gesellschaftliche Leben in der Stadt Illnau-Effretikon.»

Das Gebäck wurde von der örtlichen Bibermanufaktur Leibacher produziert und vor Weihnachten in alle Kyburger Haushaltungen verteilt.