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Leitartikel September 2022; Stadtpräsident Marco Nuzzi

1. September 2022
Wie Marco Nuzzi den kürzlichen Stromausfall erlebt hat - und welche Parallelen er zur möglichen Energiemangellage zieht.

LICHT AUS. BLACKOUT!?

Dienstagabend, 23. August 2022, 19.13 Uhr:
Licht aus, Stromausfall im Haus. Die Suche nach der Fehlerquelle beginnt. Offenbar fehlt der Strom in verschiedenen Zimmern, trotzdem überprüfe ich kurz den Sicherungskasten. Wie erwartet: Keine der Sicherungen ist durchgebrannt. Ein kurzer Gang nach draussen und ein Blickkontakt mit dem Nach­barn bestätigt mir, dass auch andere davon betrof­fen sind. Auch das nicht unerwartet. Ob es ein De­fekt im Stromverteiler im Quartier ist, wie auch schon geschehen? Das Mobiltelefon klingelt; ein Freund aus einem anderen Quartier ruft an. Auch da ist der Strom ausgefallen. Der Ausfall scheint also grösser zu sein. Taschenlampe und Kerzen sind be­reitgestellt. Der Akkuladestand des Mobiltelefons neigt sich dem Ende zu. Zum Glück habe ich einen kleinen Energiespeicher. Da das WLAN ebenso nicht mehr funktioniert, besteht nur noch die Mög­lichkeit, sich über das Mobilnetz zu informieren. Ein kurzer Blick mit dem Mobiltelefon auf die Webseite des Netzbetreibers offenbart: Fehlanzeige. Keine Er­wähnung der Störung.

19:18 Uhr:
Auf den sozialen Medien scheint bereits einiges los zu sein. Die Kommentare laufen dazu heiss. Perso­nen aus verschiedenen Strassenabschnitten und Ortsteilen in und um Illnau-Effretikon melden sich. «Hät Effretikon en Stromusfall? Bi eus kei Strom meh». Strassenzug für Strassenzug gibt emsig den Status durch. «Bi eus Totalusfall». «Jepp, mir händ au kei Strom». Kleine Hoffnung: «Mir händ no!». Und auch humorvoll: «Sind wohl für dä Blackout im Winter am trainiere».

19:32 Uhr:
Die EKZ vermelden auf deren Webseite: «Stromun­terbruch – Teile der Stadt Illnau-Effretikon und der Ge­meinde Volketswil sind derzeit ohne Strom. Rund 6'000 Haushalte sind betroffen. Die Ursache für die Störung ist noch nicht bekannt. Die EKZ-Spezialisten arbeiten daran, das Problem zu beheben.» Die Stadt spiegelt diese Meldung auf ihren Kommunikationska­nälen.

Also heisst es: Weiter Abwarten. Zeit, die Kinder ins Bett zu bringen. Draussen ist es noch hell. Dummer­weise werden die Rollladen ebenso elektrisch gesteu­ert - und sie sind noch nicht heruntergefahren. We­nigstens braucht es so weder Kerzen noch eine Ta­schenlampe, um das Guetnacht-Gschichtli vorzule­sen.

19:58 Uhr:
Weit und breit nichts von einem Funken Strom. Die Kinder sind noch immer wach und leicht aufgeregt über die Situation. Auf den sozialen Medien wird fleis­sig weiterkommentiert. Jemand scheint bereits die Ursache zu kennen. «Ich weiss, was de Grund isch». Die Aufregung steigt. «Was?». «En Mähdräscher isch in en Strommaste gfahre».

20:03 Uhr:
Der Strom ist kurz zurück, fällt dann aber gleich wie­der aus. Das Mobilnetz scheint überlastet zu sein, die Daten werden nur sehr langsam übertragen. Die Funkmasten hängen am gleichen Kreislauf.

20:28 Uhr:
Der Strom ist wieder da, der Spuk vorbei. Die Rollla­den im Kinderzimmer können nun geschlossen wer­den, die Kinder schlafen.

Gleich oder ähnlich erging es wohl einigen. Rund 75 Minuten ohne Strom und schon steigt bei manchen von uns die Nervosität. Zu sehr sind wir es gewohnt, dass der Strom 7/24/365 fliesst. In anderen Ländern sind Stromunterbrüche an der Tagesordnung. Vor ei­nigen Jahrzehnten waren sie auch in der Schweiz durchaus nichts Ungewöhnliches. Diese kleine un­geplante und unbeabsichtigte «Übung» war für viele von uns eine wohl spannende und auch etwas lehr­reiche Erfahrung, insbesondere weil das Thema der mangelnden Energieversorgung aktuell weltweit thematisiert wird. Die Diskussion zeigt auf, wie ab­hängig wir heute von Strom und Energie sind; wie rasch unsere gewohnten Lebensbedürfnisse und Abläufe gestört werden. Und wie Selbstverständli­ches von einer Sekunde zur nächsten plötzlich nicht mehr funktioniert.

Die aktuelle weltpolitische Lage befindet sich in ei­nem besorgniserregenden Zustand. Viele Einwoh­nerinnen und Einwohner sind ob der latenten Gefahr einer Strom- oder Gasmangellage oder gar eines Blackouts besorgt.

Der Bundesrat hat kürzlich die vorsorglichen Mass­nahmen und Spartipps präsentiert. Damit soll die be­fürchtete Mangellage vermieden werden. Auch die Verantwortlichen bei der Stadt Illnau-Effretikon be­schäftigen sich mit den Szenarien. Eine Arbeits­gruppe hat im August die Lage beurteilt, geeignete Energiesparmassnah­men innerhalb der Stadtver­waltung eruiert und sich in den dazu bestehenden Austauschgefässen des schweizwei­ten Städtever­bandes eingebracht. Der Stadtrat wird im Septem­ber Massnahmen beschliessen. Die Stadt ist sich ih­rer Vorbildfunktion bewusst. Sie wird daher die Energiesparkampagne des Bundes mittra­gen und bittet die Bevölkerung, den Spartipps Rech­nung zu tragen.

Die wenigsten präsentierten Sparmassnahmen kommen überraschend – einige davon sind uns si­cherlich auch schon früher da und dort begegnet. Setzen wir sie gemeinsam um.

Herzlichen Dank.

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