Neuigkeit

Leitartikel des Stadtrates

Stadtpräsident Ueli Müller über Benchmarking unserer Stadt.

Alle Jahre wieder, meistens in der Saure-Gurken-Zeit, wird das Weltwoche-Gemeinderanking publiziert. Das grosse Vergleichen beginnt. Haben wir besser abgeschnitten als im letzten Jahr? Wo stehen wir im Vergleich mit den Nachbargemeinden? Das Benchmarking stammt aus der Betriebswirtschaft und ist eine vergleichende Analyse von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen. Neuerdings werden auch Schulen, Schwimmbäder, Alterszentren und eben auch Gemeinden „gebenchmarkt“.

Pünktlich auf Ende Sommerferien titelte die Weltwoche im Zusammenhang mit dem Ranking und der Sieger­gemeinde Zollikon: „An der Goldküste lebt’s sich am besten!“ Das verleitete sogar mich zum Kauf dieser einstmals renommierten Zeitschrift. Und siehe da: Ich musste die acht Franken nicht bereuen! Die Stadt Illnau-Effretikon schaffte innert eines Jahres den grossen Sprung von Platz 323 auf Platz 58! „Hurra“, frohlockte ich, „endlich werden unsere Qualitäten auch von der Weltwoche erkannt“. Nicht wie letztes Jahr, als wir 113 Plätze verloren… Also: Unsere Lebensqualität ist vor einem Jahr stark gesunken und jetzt massiv gestiegen! Das freut mich natürlich, und im Gegensatz zum letzten Jahr, als ich das Ranking ignorierte, sage ich nun: „Und die Weltwoche hat doch recht!“

Die Frage, die sich stellt, lautet natürlich, wie wir diesen Turnaround geschafft haben. Des Rätsels Lösung liegt in der Gewichtung der Bewertungskriterien. Von 50 Indikatoren zählen die Immobilienpreise so viel wie alle anderen zusammen. Der Landhandel, wohl vor allem im Zentrum Effretikons, hat uns also neben den Grund­stücksgewinnsteuern auch viele Punkte im Weltwoche-Ranking eingebracht, das übrigens von einer Immobi­lien-Beratungsfirma organisiert wird. Ob deswegen unsere Lebensqualität wirklich gestiegen ist? Natürlich kann man argumentieren: Nur dort, wo das Umfeld stimmt, werden auch hohe Preise bezahlt. Aber eigentlich müsste der Weltwoche-Titel ehrlicherweise lauten: „An der Goldküste lebt’s sich am teuersten!“

Neben diesem von Wirtschaftsdaten geprägten Ranking erhielt Illnau-Effretikon im August eine weitere Er­folgsmeldung: Im Gemeinderanking des Hilfswerks „Solidar Suisse“ erhielten wir vier von fünf möglichen Globen. Im Vergleich zum letzten Ranking vor drei Jahren verbesserten wir uns um zwei Plätze auf Rang 28 und die Punktezahl stieg von 54 auf 67 von 100 möglichen Punkten. Dieses Gemeinderanking untersucht an­hand des entwicklungspolitischen Engagements und der Berücksichtigung sozialer Nachhaltigkeit im Beschaf­fungswesen, ob Schweizer Gemeinden global verantwortungsbewusst handeln. Während wir in der Entwick­lungszusammenarbeit sehr gut abschneiden, haben wir im Beschaffungswesen trotz deutlicher Verbesserung noch Potenzial nach oben. Wir halten uns zwar in vielen Gebieten an die Gebote der fairen Beschaffung, aber es fehlt nach wie vor an verbindlichen Richtlinien. Wie wär’s zum Beispiel mit Fair-Trade-Kaffee in unseren Gastro-Angeboten?

Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass die Stadt Illnau-Effretikon in zwei sehr unterschiedlichen Rankings vergleichsweise gut abgeschnitten hat. Wenn ich noch die Energiestadt-Bewertungen berücksich­tige, in denen wir uns während zwanzig Jahren kontinuierlich auf rund 75 Prozent unserer Möglichkeiten ge­steigert haben, darf ich konstatieren, dass wir in den drei Hauptfeldern der nachhaltigen Entwicklung gut un­terwegs sind – im wirtschaftlichen, im sozialen und im ökologischen Bereich. Die Rankings zeigen aber auch, dass wir noch keine absoluten Spitzenpositionen erreicht haben und deshalb in unseren Bemühungen nicht nachlassen dürfen.

Zu allen Leitartikeln des Stadtrates

Kontakt: praesidiales@ilef.ch