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Meilenstein der Architekturgeschichte oder Betonklotz?

Architekturführung durch Effretikon; Samstag, 26. Oktober 2019

 

Schulanlage Watt, Effretikon

mit Arthur Casagrande, Johann Frei und Daniela Minneboo
Samstag, 26. Oktober, 13.00 Uhr
Treffpunkt: Bahnhof Effretikon

Meilenstein der Architekturgeschichte oder unschöner Betonklotz? Schützenswertes Objekt oder nicht? Über die markanten Betonbauten der Nachkriegsmoderne scheiden sich damals wie heute die Geister. Zwischen 1958 und 1968 entstanden in Effretikon mit dem Bahnhofsgebäude von Max Vogt, der reformierten Kirche von Ernst Gisel und dem Schulhaus Watt von Manuel Pauli gleich drei öffentliche Gebäude, welche das Stadtbild bis heute prägen. Eine Führung mit den Architekten Arthur Casagrande und Johann Frei sowie der Kunsthistorikerin Daniela Minneboo bietet die Möglichkeit, die Bauwerke vor Ort zu besichtigen und vermittelt in einem zweistündigen Rundgang Informationen zu Baugeschichte, Rezeption und Denkmalpflege.

Vor dem Hintergrund der städtebaulichen Entwicklung, dem regelrechten Bauboom, den Effretikon in den 1950er- und 1960er-Jahren erfasste, entstanden in kurzer Folge eine Reihe öffentlicher Bauten, welche der rasch wachsenden Bevölkerung die benötigte Infrastruktur zur Verfügung stellen sollten. Im gleichen Jahr wurde der neue Bahnhof von SBB-Architekt Max Vogt wie auch die reformierte Kirche von Ernst Gisel (1961) eingeweiht, kurz darauf folgte das Schulhaus Watt von Manuel Pauli (1968). Insbesondere die reformierte Kirche von Ernst Gisel wurde öffentlich heftig und kontrovers diskutiert, der Streit gipfelte unter anderem in der Forderung, den Kirchturm kurz nach dem Bau wieder abreissen zu lassen. Heute gilt die Kirche als einer der Paradebauten der Nachkriegsmoderne im Kanton Zürich, Ernst Gisel als einer ihrer prominentesten Vertreter. Auch das Bahnhofsgebäude von Max Vogt kann aus heutiger Sicht als exemplarisch gelten, war es doch einer seiner ersten Bauten für die Bundesbahnen, dem über 200 weitere in den Kantonen Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Schwyz, Glarus und Graubünden folgten. Das Erscheinungsbild der Bauten war geprägt von reduzierten, kubischen Formen und seinem Baumaterial, dem Beton. Beides entwickelte sich rasch zu Vogts Markenzeichen, das in Effretikon bereits raffiniert umgesetzt wurde. Zu einer anderen Formensprache kam Manuel Pauli, wie das Schulhaus Watt eindrücklich vermittelt: Der Beton löst sich in kleinteilige, sich wiederholende Einzelelemente auf, die Fassade wirkt bewegt und lebendig. Das ganze Gebäude scheint sich in die hügelige Landschaft einzufügen und immer neue Verbindungen von Innen und Aussen zu schaffen. Demnächst muss es nach 1991 und 1999 erneut saniert werden, was wiederum neue Diskussionen um den Status dieses Bauwerks ausgelöst hatte. Das Kulturforum Effretikon lädt deswegen zu einem Rundgang mit den Architekten Arthur Casagrande, Johann Frei und der Kunsthistorikerin Daniela Minneboo, um Hintergründe zur Geschichte und Entwicklung zu vermitteln.

Kontakt: kulturforum@ilef.ch