Neuigkeit

Wirtschaftsförderung Illnau-Effretikon

Im Gespräch mit Wirtschaftsförderer Beat Stampanoni

Trotz ihrer geografisch attraktiven Lage und der guten verkehrstechnischen Erschliessung weist die Stadt Illnau-Effretikon einen negativen Pendlersaldo aus. Rund 3'300 Zupendlern stehen 6'000 Wegpendler gegenüber. Im Vergleich zu umliegenden Gemeinden besteht in Illnau-Effretikon in Bezug auf die Ansiedlung von Arbeitsplätzen Handlungsbedarf. Basierend auf dem Leitbild zur Stadtentwicklung und dem Schwerpunktprogramm 2018 – 2022 hat der Stadtrat im vergangenen Herbst seine Wirtschaftsstandort-Strategie festgesetzt. Diese beinhaltet auch die Schaffung einer neuen Stelle für die Wirtschaftsförderung. Anfang März hat Wirtschaftsförderer Beat Stampanoni seine Stelle angetreten. Wir wollten von ihm wissen, wie er gedenkt, die hiesige Wirtschaft zu stärken und was seine Aktivitätsschwerpunkte in der Anfangsphase sind.

Beat Stampanoni, was reizte Sie an der ausgeschriebenen Stelle?
Ich teile die Ansicht der durch den Stadtrat eingesetzten Arbeitsgruppe, dass die Stadt Illnau-Effretikon mit ihrer zentralen Lage im Metropolitanraum Zürich und ihrer verkehrstechnischen Erschliessung über ein grosses Potenzial für die erfolgreiche Ansiedlung von zusätzlichen Arbeitsplätzen verfügt. Aus verschiedenen Gründen weisen wir jedoch im Vergleich mit anderen Städten in der Region weniger Arbeitsplätze auf. Deshalb erachte ich es als richtig, dass der Stadtrat dieses Thema mit einer hohen Priorität angeht und zusätzliche personelle Ressourcen dafür geschaffen hat. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, dieses Potenzial zu erschliessen und möchte meinen Anteil dazu beitragen.

Wo werden die Schwerpunkte Ihres Handelns liegen?
Die durch den Stadtrat verabschiedete Wirtschaftsstandort-Strategie setzt die Leitplanken für mein Handeln. In einer nächsten Phase wird es darum gehen, die Ausgangslage weiter zu analysieren, die richtigen Rückschlüsse daraus abzuleiten und die Umsetzung der Strategie zu konkretisieren.

Ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit wird auf dem Halten und Binden der bereits ansässigen Unternehmen liegen. Dazu werden wir den Dialog mit den Vertretern der Unternehmungen und des Gewerbes intensivieren und die Betreuung von Seiten der Stadt systematisieren. Hier kann ich mir sehr gut vorstellen, Ansätze aus dem strategischen Kundenmanagement aus der Privatwirtschaft zu übernehmen. Es geht darum, die Bedürfnisse der Unternehmen richtig zu erfassen und die geeigneten Massnahmen daraus abzuleiten.

Um neue Unternehmen für eine Ansiedlung in der Stadt zu gewinnen, werden wir unser Profil als Wirtschaftsstandort schärfen und die Standortpromotionsaktivitäten ausbauen. In diesem Zusammenhang ist unsere Kooperation mit der regionalen  Standortförderungsorganisation, dem «House of Winterthur», zentral. Insbesondere bei der Ansiedlung von Unternehmen aus dem Ausland können wir nur so im Wettbewerb mit den grösseren Wirtschaftsverbünden bestehen.

Ein spezielles Augenmerk wird auch auf dem Gewerbe im Zusammenhang mit den baulichen Aktivitäten in den Zentren von Effretikon und Illnau liegen. Die Attraktivität der Stadt wird mit dem Abschluss der Überbauungspläne massgeblich erhöht, aber die Übergangsphase bringt einige Herausforderungen mit sich. So benötigen wir teilweise temporäre Lösungen für einzelne Ladengeschäfte oder müssen durch die Bautätigkeit bedingte Umsatzrückgänge minimieren. In Anbetracht der zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel steht der Einzelhandel sowieso schon unter Druck. Letztlich müssen wir zusammen mit den Grundeigentümern auch Mieter für die neuen Flächen finden und einen für den Konsumenten attraktiven Angebotsmix etablieren.

Wie profitieren die ansässigen Unternehmen von Ihrem Engagement?
Der Stadtrat hat sich bewusst dazu entschieden, die Stelle für die Wirtschaftsförderung in die Stadtverwaltung zu integrieren. Damit werden nicht nur die personellen Ressourcen für die Förderung der Wirtschaft erhöht, sondern die Unternehmen erhalten auch einen direkten Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung. Der Vorteil dieser Organisationsform ist, dass die Wirtschaftsförderung einen besseren Zugang zu verwaltungsinternen Informationen hat und koordinierend für die Anliegen des Gewerbes wirken kann. Insbesondere auch, weil der Stadtrat dieses Thema mit oberster Priorität angehen möchte. Da unsere Stadtverwaltung eine überschaubare Grösse hat, sind auch die Entscheidungswege kurz. Wir sind in der Lage, schnell und zielgerichtet zu handeln. Ich sehe mich in erster Linie als Vertreter der Wirtschaft in der Verwaltung und als Sparringpartner für die lokalen Unternehmen.

Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre Tätigkeit ausgewirkt?
Meine Anfangszeit war durchaus etwas turbulent. Kurz nach meinem Stellenantritt hat der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausgerufen und Betriebsschliessungen angeordnet. Insbesondere für einen Wirtschaftsförderer ist das sicher nicht die Situation, die er sich wünscht. Der Stadtrat hat jedoch sehr zeitnah und zielgerichtet gehandelt und ein Nothilfeprogramm für in finanzielle Bedrängnis geratene Unternehmen ins Leben gerufen. Uns war aufgrund einer ersten Analyse schnell klar, dass insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe mit einer riesigen Herausforderung konfrontiert sind.

Der Stadtrat verdoppelte kurzerhand die durch den Kanton zur Verfügung gestellten Gelder. Ich durfte zu einem guten Teil die Umsetzung dieses Nothilfeprogramms verantworten und habe versucht, dem lokalen Gewerbe in dieser ausserordentlichen Zeit mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Rückmeldungen bestätigen uns, dass betroffene Unternehmen in dieser schwierigen Phase von der Stadt Illnau-Effretikon die nötige Unterstützung erhalten haben und sich gut aufgehoben fühlen.

 

Beat Stampanoni ist eidg. dipl. Marketingleiter und war im Laufe seines beruflichen Werdegangs in verschiedenen Management-Positionen im Bereich Marketing, Sales und Key Account Management tätig. Er verfügt über Erfahrungen im Kongress- und Messewesen, in der Gemeinschaftsgastronomie sowie in der Mineralölbranche. Zuletzt war er als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung bei der Compass Group, einem führenden Unternehmen im Bereich Gastronomie und Food Services, beschäftigt. Seit 1. März 2020 arbeitet Beat Stampanoni nun als Wirtschaftsförderer bei der Stadt Illnau-Effretikon.

Kontakt: beat.stampanoni@ilef.ch Tel. 052 354 24 97