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Leitartikel des Stadtrates

Reinhard Fürst wünscht "Gutes Gelingen"

Geplanten und laufenden Projekten wünsche ich oft „Gutes Gelingen“. Das bedeutet mehr als „Viel Erfolg“ und beinhaltet auch das Umfeld sowie den späteren Verlauf eines Vorhabens. Es verträgt auch eine Niederlage als Zwischenschritt. Der Wunsch nach Erfolg ist dagegen auf das persönliche Fortkommen vermehrt selbstbe­zogen. Ohne Frage ist dies im Sport oder im wirtschaftlichen Bereich beispielsweise als zentrales Kriterium für die Weiterentwicklung unabdingbar. „Gutes Gelingen“ geht aber weiter.

Erlauben Sie mir, liebe Leserin, lieber Leser, dass ich unter diesem Gesichtspunkt, in der Phase meiner Amts­übergabe, einen Rückblick auf meine 28 Jahre politische Arbeit in Illnau-Effretikon halte.

Begonnen hat alles im Singsaal des Watt Schulhauses, wo der Grosse Gemeinderat noch vor Bestand des Stadthauses zusammengekommen ist. Der Stadtrat und die Verwaltung haben im hölzernen Provisorium am Standort des heutigen Alters- und Pflegezentrums Bruggwiesen getagt, ein Teil der Verwaltung war noch in Illnau im alten Gemeindehaus beheimatet. Die Stadtgemeinde zählte dannzumal bereits 14'709 Einwohnerin­nen und Einwohner, der Steuerfuss wurde im Vorfeld von 132 % (1981) auf 112 % (1990) gesenkt. Der starke Entwicklungsschub aus den 60-iger Jahren und das seinerzeitige Ziel, die Bevölkerung auf 40‘000 Menschen anwachsen zu lassen, hat aus einer politischen Schockreaktion heraus den Begriff „Nullwachstum“ hervorge­bracht, was noch bis vor wenigen Jahren Wirkung zeigte. So hat sich – die ehemalige Gemeinde Kyburg ein­geschlossen – die Bevölkerungszahl per Ende 2017 auf „nur“ 17‘165 Menschen entwickelt, was im Vergleich zu anderen S-Bahn Knoten-Orten weit unter dem Mittelwert liegt.

Ich trat als junger Gemeinderat 1990 direkt in die Geschäftsprüfungskommission ein und habe dort erste Er­fahrungen im Umgang mit der Lokalpolitik gesammelt. Im Vordergrund standen planerische Geschäfte sowie Kernthemen rund um die Energiestadtaktivitäten in Illnau-Effretikon, neben der jährlichen Genehmigung des Geschäftsberichts. Es folgte der Einsitz in die Rechnungsprüfungskommission. Als deren Präsident sind mir die anspruchsvolle Behandlung und die Genehmigung der Abrechnung über den Neubau des Stadthauses in guter Erinnerung. Im Amtsjahr 1996/97 leitete ich die Geschäfte des Grossen Gemeinderats als Parlaments­präsident. Aus dieser Phase sind mir die Revision und die Genehmigung der Bau- und Zonenordnung, sowie vorgängig des regionalen Richtplans in guter Erinnerung. Da stecken wir im Moment ja wieder mitten drin.

Im Jahr 2001 wurde ich in einer ausserordentlichen Ersatzwahl in den Stadtrat berufen – seither leite ich das Ressort. Während der Zeit habe ich im Rahmen der Baubehörde über 2‘500 Baubewilligungen er­lassen und dabei auch zahlreiche rechtliche Auseinandersetzungen durchgestritten. Das hat mir viel Erfahrung mit der Rechtsprechung eingebracht. Die Baurechtsentscheide (Baubewilligungen) mit ihren weitreichenden Vorgaben haben jedoch nicht immer nur immer Freude bei Bauherrschaften oder Nachbarn und Planern aus­gelöst. Der überwiegend grösste Teil führte aber letztlich zu sehr schönen Neubauten oder Renovationsprojekten, worin die Leute gerne wohnen und leben. So erinnern mich in beinahe jedem Strassenzug und sicher in jeder Aus­senwacht Häuser und Umgebungsgestaltungen an Baubewilligungsphasen; viele davon einfacher Art, einzelne aber auch gleichermassen anspruchsvoll für die Bauherrschaft und für die Bewilligungsbehörde.

Im Bereich der städtischen Hochbauten wurde die Infrastruktur für die Stadtverwaltung, für die Jugend, die Aus- und Weiterbildung, den Sport und die Freizeit, sowie das Alter mit teilweise ausserordentlich grossen Projekten und enormen finanziellen Anstrengungen der Entwicklung der Stadtgemeinde angepasst. Die Bau­ten und Anlagen stehen zur guten Zufriedenheit der Betreiber und Nutzer erfolgreich im täglichen Betrieb, und sie werden von der Immobilienbewirtschaftung gut betreut. Ich erinnere mich sehr gut an viele Baukommissi­ons­sitzungen. Mit immer konstruktiver Grundhaltung haben viele Akteure zum guten Gelingen beigetragen.

Die Stadt Illnau-Effretikon hat sich in ihren Zentren und Aussenwachten ansprechend weiterentwickelt und wird als Wohngemeinde ganz allgemein hoch geschätzt. Das erfahre ich in vielen alltäglichen Gesprächen mit interessierten Mitmenschen, aber auch an den regelmässigen Besuchen bei Jubilarinnen und Jubilaren, wel­che auf 80 und mehr Jahre Lebenserfahrung zurückblicken; viele davon während mehrere Jahrzehnten in Ill­nau-Effretikon lebend. Diese Besuche werden mir in Zukunft sicher fehlen.

Persönlich besondere Freude bereitet mir ein im Vergleich eher kleines Projekt: Die Hütteschüür Ottikon, wel­che in Zusammenarbeit der Dorfvereine mit der Politik realisiert werden konnte und die sich bereits zu einem gerne genutzten Kulturzentrum für die Vereine und die Bevölkerung entwickelt hat.

Rückblickend auf die vergangenen 28 Jahre hat mir das politische Wirken und die Zusammenarbeit mit den beteiligten Leuten immer viel Freude bereitet und ich bedanke mich dafür herzlich. Ob mir dabei alles gut ge­lungen ist, diese Beurteilung überlassen ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser. Für mich jedenfalls fällt die Bi­lanz positiv aus.

Ich werde nun noch im Kantonsrat in Zürich Einsitz haben und im kommenden Frühjahr dann wohl endgültig in die Phase des Ruhestands übergehen. Da kehre ich dann zu meinen Wurzeln als Bauernsohn, Schütze, Sänger und Volkstänzer zurück, wozu zwischenzeitlich die Familie mit Kindern und Enkelkindern gekommen sind.

Der neue Stadtrat besteht nun nur noch aus sieben Mitgliedern. Es schmerzt mich schon sehr, hier auszu­scheiden; aber der Welten Lauf macht (zum Glück) auch vor mir nicht halt. Ich wünsche meinen Kolleginnen und Kollegen in ihrer neuen Zusammensetzung viel Freude und Erfolg, jedenfalls aber ein langfristig „Gutes Gelingen“ zu Gunsten der Bevölkerung von Illnau-Effretikon.

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Kontakt: praesidiales@ilef.ch