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Leitartikel des Stadtrates

Palstek, Q-Wende, Kardinalsystem: Stadtrat Samuel Wüst lernt eine neue Sprache.

Anfang Jahr stand bei mir das Thema Ferienplanung an. Dabei stellte sich unter anderem die Frage, wie die beiden Sommerferienwochen genutzt werden sollen: Kultur, Sport, Reisen, Entspannung? Es kam die Idee auf, etwas Neues zu lernen. Etwas, das nicht alltäglich ist. Eine neue Sprache vielleicht? Nein, nicht eine völlig neue Sprache, auch wenn Sprachen immer eine Bereicherung darstellen und bei Begegnungen mit anders­sprachigen Personen einen besseren Kontakt ermöglichen. Aber eine neue Fachsprache könnte es schon sein. Eine Sprache, welche auf dem Wasser verwendet wird, unter anderem für das Segeln und das Motorbootfah­ren. Einen Segelkurs oder einen Motorbootkurs machen? Die Abklärungen haben ergeben, dass vor einem Se­gel- oder Motorbootkurs zuerst eine Theorieprüfung gemacht werden muss. Dies bei einer Segelfläche von mehr als 15 m2 oder einem Motor mit mehr als 6 kW Leistung. Danach könnte ein Kurs gemacht werden. Da eine Tochter am Neuenburgersee wohnt, wurden auch mögliche Angebote in dieser Region geprüft.

Mit dem Entscheid, dass ein kombinierter Segel- und Motorbootkurs in Hauterive gemacht werden soll, fing dann das Lernen der Theorie an. Einzelne Fachausdrücke wie Luv, Lee, Bug usw. kannte ich, doch es kamen noch viele dazu. Want, Achterstag, Grossschott, Dirk, Winsch sind nur der Anfang der langen Liste. Dann ka­men noch die Sicht- und Schallzeichen sowie die Schifffahrtszeichen dazu. Das Kardinalsystem zum Beispiel dient zur Markierung gefährlicher Flächen. Die verschiedenen Ankertypen und die Knoten waren auch zum Ler­nen. Der Palstek ist wohl der wichtigste Knoten und dient den unterschiedlichsten Aufgaben. Mit ihm lässt sich ein nicht zusammenziehbares beliebig grosses Auge herstellen und ist auch nach starker Belastung ein­fach lösbar. Dann kamen noch die Fahrregeln und die Sicherheitsthemen dazu.

Beim Lernen habe ich das Theoriebuch vor- und rückwärts durchgelesen. Ausserdem habe ich auf dem Handy ein App mit der Theorie und den 400 offiziellen Prüfungsfragen installiert. So konnte ich im Zug immer wieder die Fragen üben und üben und üben. Der Tag der Theorieprüfung rückte immer näher und es machte sich doch eine gewisse Nervosität bemerkbar. Meine letzte Prüfung war schliesslich schon Jahrzehnte zurück. Die 60 Prüfungsfragen konnte ich mit einem erhöhten Puls gut beantworten und bestand die Prüfung mit wenigen Fehlern.

Mit der Theorieprüfung im Sack ging es dann an die Praxis. Der Start des Segel- und Motorbootkurses auf dem Neuenburgersee begann zuerst auf dem Motorboot. Inventar überprüfen, Treibstoffstand kontrollieren, Moto­renraum entlüften, Wetter analysieren, Motor starten und Leinen lösen. Mit dem Üben wurden die Manöver immer besser; vorwärts, rückwärts und seitwärts anlegen, Mensch über Bord und zur Boje aufschiessen. Je nach Wind und Wellen klappte es immer besser. Nach vier Tagen stand schon die nächste Prüfung an: Die praktische für das Motorboot. Der Experte vom Strassenverkehrsamt Neuenburg hat dabei die verschiedenen Manöver gewünscht, die es dann zu absolvieren galt. Damit es nicht zu einfach war, fand die Prüfung natürlich auf Französisch statt. Dazu mussten die Fachausdrücke noch zusätzlich gelernt werden. Auch diese Prüfung bestand ich und es konnte mit dem Segeln gestartet werden.

Der Segellehrer erklärte die wichtigsten Verhaltensweisen auf dem Boot und schon segelten wir aus dem Ha­fen. Sein Motto ist dabei ganz klar: Es geht nur mit dem Segel vorwärts, der Motor ist für Notfälle da. Das Se­geln war wieder ganz etwas Neues und es galt auch hier, möglichst rasch die Manöver zu lernen. Es war sehr faszinierend wie der Wind das Boot mit dem Grosssegel und dem Fock mit rund 35 m2 Gesamtfläche be­schleunigte und in die Schräglage brachte. Die Kräfte bei 3 Beaufort Windstärke waren schon beachtlich und verliehen dem Boot einen schönen Speed. Ein Manöver ist die Q-Wende, welche bei Starkwind angebracht ist, damit das Halsen vermieden werden kann. Beim Halsen kommt der Wind von hinten und der Baum vom Grosssegel wird von der einen auf die andere Seite gewechselt. Das Üben hat schon erste Erfolge gebracht, doch es braucht noch ein paar Segelstunden, bis die praktische Segelprüfung absolviert werden kann.

Was ist jetzt mit der neuen Fachsprache? Sie wurde schon fast zum Alltag. Die Ausdrücke sind mehrheitlich bekannt und können abgerufen werden. Pinne zum Beispiel ist kein Fremdwort mehr und Segeln ist ein neues Hobby geworden.

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