Wie viel Verkehrssicherheit verträgt ein Baum?
Im Winter erwarten wir von unseren Winterdiensten, dass der Schnee stets rechtzeitig weggeräumt ist und sich auf den Strassen nie Eis bildet. Salz ist ein effektives Mittel, um Glatteis zu verhindern. Verwendet wird Kochsalz, also ein völlig harmloser Stoff, zumindest in niedrigen Konzentrationen. Aber wie so oft entscheidet die Dosis.
Das Salz verbleibt nicht ausschliesslich auf der Fahrbahn. Es wird durch vorbeifahrende Fahrzeuge mit der Gischt in die Umgebung verteilt, mit dem nächsten Schnee weggeräumt oder mit dem Schmelzwasser weggespült. Schliesslich landet es entweder in der Kanalisation oder im Grünstreifen entlang der Strasse – also auch da, wo Pflanzen wachsen. Wie gehen Pflanzen, insbesondere die Bäume, mit dem Salz um?
Bäume an neuralgischen Punkten, wie zum Beispiel an der Kreuzung zweier Hauptstrassen, sind oft hohen Salzmengen ausgesetzt – so hohen, dass sie Schaden nehmen.
ZU VIEL SALZ IST UNGESUND
Ein Teil des Salzes gelangt mit Gischt, Staub oder mit dem weggepflügten Schnee direkt auf die Rinde und die Äste der Bäume. Dadurch sterben Teile der Rinde, Knospen und junge Zweige ab.
Gelangt das Salz in den Boden, versalzt und verschlammt dieser, wodurch die Pflanzenwurzeln zu wenig Sauerstoff erhalten. Ausserdem führen die im Bodenwasser gelösten Salzionen dazu, dass der Baum Mühe hat, Nährstoffe aufzunehmen.
Ein Teil der gelösten Salze werden vom Baum aufgenommen, was zu weiteren Schäden führt: Junge Wurzeln sterben ab, die Wasser- und Nährstoffaufnahme verschlechtert sich und wichtige Zellstrukturen werden geschädigt, unter anderem die Chloroplasten, wo die Fotosynthese stattfindet. Das bedeutet für den Baum, dass die Energiegewinnung und somit sein Wachstum eingeschränkt sind.
Als Symptome treten braune, welke Blattränder und dürre Kronen auf. Ein salzgeschädigter Baum treibt im Frühling später aus und lässt im Herbst seine Blätter vorzeitig fallen. Der Baum wächst kaum mehr und ist anfällig für Krankheiten.
Wäre es somit eine Lösung, nur salzresistente Bäume entlang von oft gesalzenen Verkehrswegen zu pflanzen? Ja, wäre es. Nur gibt es das in unseren Breitengraden nicht. Wirklich salzresistent sind nur Mangrovenbäume, die sich an das Leben im Gezeitenbereich wärmerer Meeresküsten angepasst haben. Immerhin gibt es unter den einheimischen Baumarten einige, die wenig empfindlich auf Salz reagieren. Zu diesen gehören zum Beispiel Feldahorn oder Eibe. Auch die Platane gilt als gut salztolerant; aber sie ist nicht einheimisch. Dagegen gelten unter anderem Linde, Bergahorn und Rosskastanie als wenig salztolerant.
Es ist eine Gratwanderung, genau so viel Salz zu streuen, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist, die Alleebäume aber keinen Schaden nehmen.
(Bild: Barbara Leuthold Hasler)
(Bild: Adobe Stock)
Weitere Informationen zur Biodiversität finden Sie hier.
ZUR ARTIKELSERIE
Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau haben im Frühling 2022 eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung über den Nutzen und die Schönheit von Biodiversität im Siedlungsraum zu informieren. Monatlich erscheint im «Regio» ein Artikel zum Thema. Im Jahr 2026 stehen Bäume als übergeordnetes Thema im Fokus.
ZUR AUTORIN
Barbara Leuthold Hasler arbeitet als selbstständige Biologin und Bergführerin. Mit der Natur vor ihrer Haustür befasst sie sich seit Jahren – nicht nur beruflich, sondern auch als Hobby, zum Beispiel im eigenen Garten und in ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen in Naturschutzgebieten.
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