Leben auf Bäumen
Bäume weisen zahlreiche unterschiedliche Nischen und Strukturen auf, die sehr vielen Tieren, Pilzen und anderen Pflanzenarten Raum und Nahrung zum Leben bieten.
Wenn eine grosse Linde blüht, erfüllt sie mit ihrem Duft die ganze Umgebung. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten lassen sich eine solch ergiebige Nahrungsquelle nicht entgehen. Auch viele Schmetterlinge lieben Bäume. Ihre Raupen haben Bäume buchstäblich zum Fressen gern, wobei Eichen auf der Hitliste ganz oben stehen. In der Krone einer alten Eiche entwickeln sich die Raupen von über 100 verschiedenen Tagfalterarten.
Eine davon ist der hübsche Blaue Eichenzipfelfalter. Das Weibchen klebt seine Eier an die dicken Knospen, aus denen sich im kommenden Frühling Blütenrispen entwickeln. Sobald das Räupchen schlüpft, macht es sich sofort über die frischen Blüten her. Hat es diese aufgefressen, kommen die Blätter an die Reihe.
NAHRUNG, VERSTECKE UND NISTPLÄTZE
Ein Raupenparadies bleibt selten unbemerkt. Vögel wie zum Beispiel Kohlmeisen, die ihr Nest gerne in Baumhöhlen einrichten, müssen im Frühling hungrige Mäuler stopfen. Da kommen die Raupen wie gerufen.
Andere, kleinere Insekten sind weniger auffällig. Sie suchen sich die Risse und Spalten dicker Borken als Lebensraum aus. Einige leben auf den Flechten und Moosen, die sich auf Rinden stets ansiedeln. Perfekte Verstecke, könnte man meinen – wenn da nicht der Baumläufer mit seinem langen dünnen Schnabel wäre, der tagein tagaus den Stamm hinaufklettert und nach kleinsten Lebewesen sucht.
Auch der Baumläufer braucht eine Höhle als Nistplatz. Doch die eine ist bereits von Kohlmeisen besetzt, eine andere von Fledermäusen. Es gibt am Baum aber noch eine weitere Stelle, die sich perfekt für den Bau eines kleinen Nestes eignet, nämlich dort, wo die Rinde vom Stamm abgespalten ist.
Zum Glück entsteht gerade neuer Wohnraum: Ein Buntspecht zimmert an einer Bruthöhle. Seine alten Behausungen hat er längst weitergegeben und damit viele Nachmieter beglückt: Meisen, Kleiber, Staren, Hornissen und sogar einen Siebenschläfer.
Neben den Bruthöhlen finden sich auf alten Bäumen auch Löcher, die sich bei Regen mit Wasser füllen. Manchmal bleibt das Wasser hier einige Zeit stehen. Dann beleben sich die Minipfützen; Algen, Pilze, Einzeller und Insektenlarven tummeln sich darin. Manchmal keimen auch Samen anderer Pflanzen in diesen kleinen Feuchtgebieten am Stamm. Ein alter Bergahorn wird so zum Beispiel zum Wuchsort von Farnen, Gräsern oder jungen Bäumen.
Der Streifzug liesse sich noch lange fortsetzen, es gäbe immer wieder Neues zu entdecken. Fortsetzung folgt – draussen.
Foto: Barbara Leuthold Hasler
Foto: Barbara Leuthold Hasler
Foto: Barbara Leuthold Hasler
Foto: Barbara Leuthold Hasler
Foto: Barbara Leuthold Hasler
Foto: Marc Weiss
Weitere Informationen zur Biodiversität finden Sie hier.
ZUR ARTIKELSERIE
Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau haben im Frühling 2022 eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung über den Nutzen und die Schönheit von Biodiversität im Siedlungsraum zu informieren. Monatlich erscheint im «Regio» ein Artikel zum Thema. Im Jahr 2026 stehen Bäume als übergeordnetes Thema im Fokus.
ZUR AUTORIN
Barbara Leuthold Hasler arbeitet als selbstständige Biologin und Bergführerin. Mit der Natur vor ihrer Haustür befasst sie sich seit Jahren – nicht nur beruflich, sondern auch als Hobby, zum Beispiel im eigenen Garten und in ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen in Naturschutzgebieten.
Zugehörige Objekte
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| Biodiversität |