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Das war der Parlamentsausflug

9. Juni 2026
Parlamentspräsident Urs Gut führte das Stadtparlament in die Partnergemeinde Calanca und gewährte Einblicke in eine der ältesten und lebendigsten Beziehungen der Stadt Illnau-Effretikon.

Der diesjährige Parlamentsausflug führte rund 20 Mitglieder des Stadtparlamentes und des Stadtrates Illnau-Effretikon ins bündnerische Calancatal. Im Mittelpunkt stand der Besuch der Partnergemeinde Calanca, mit der Illnau-Effretikon seit mehr als fünf Jahrzehnten verbunden ist.

 

EINE PARTNERSCHAFT SEIT 1972

Die Beziehungen zwischen Illnau-Effretikon und dem heutigen Ortsteil Landarenca reichen bis ins Jahr 1972 zurück. Über die Schweizerische Patenschaft für Berggemeinden entstanden damals erste Kontakte zum kleinen Bergdorf, das zu jener Zeit als vom Aussterben bedroht galt.

Was als Unterstützung im Rahmen der «Entwicklungshilfe im Inland» begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer aussergewöhnlichen Partnerschaft. Noch heute pflegen die beiden Gemeinden regelmässige Kontakte. Aus zahlreichen Begegnungen sind langjährige Freundschaften entstanden.

Seit der Gemeindefusion von 2015 gehört Landarenca zur Gemeinde Calanca, die aus den ehemaligen Gemeinden Arvigo-Landarenca, Braggio, Cauco und Selma hervorgegangen ist. Die italienischsprachige Gemeinde zählt heute rund 200 Einwohnerinnen und Einwohner.

Der Parlamentsausflug bot Gelegenheit, die Partnergemeinde zu besuchen und einen Einblick in das heutige Leben im Tal zu erhalten.

 

HERZLICHER EMPFANG IM CALANCATAL

Freitag, 5. Juni 2026, kurz vor 15 Uhr: Die Delegation aus Illnau-Effretikon traf in Bellinzona ein. Dort wurde sie von Gemeindeschreiber Giovanni Pizzetti empfangen, der die Gäste während ihres Aufenthalts begleitete.

Mit dem Bus ging es weiter nach Arvigo, dem Hauptort der Gemeinde. Bereits während der Fahrt zeigte sich, wie anders die Rahmenbedingungen hier sind als im Zürcher Oberland: Kleine Dörfer, steile Berghänge und weite Waldgebiete prägen das Bild.

Bei einem Imbiss im B&B Ai Cav wurden die Gäste willkommen geheissen. Schnell zeigt sich, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Besuch handelt. Viele Teilnehmende kennen sich seit Jahren.

 

ZWISCHEN FELS UND TRADITION

Bei der anschliessenden Besichtigung der Steinbrüche von Alfredo Polti SA erfuhren die Besucherinnen und Besucher mehr über einen wichtigen Wirtschaftszweig des Tals. Der Calanca-Gneis wird seit Generationen abgebaut und weit über die Region hinaus verwendet. Zum Beispiel auch in Effretikon: Teile des Effretiker Märtplatzes wurden mit Gestein aus dem Calancatal gestaltet.

Für einen besonderen Abschluss des ersten Tages sorgten Gemeindepräsidentin Dorothea Rigonalli und Gemeinderätin Rosilde Gadola. Sie bereiteten das Nachtessen persönlich zu und verwöhnten die Gäste mit regionalen Spezialitäten.

 

WIEDERSEHEN MIT LANDARENCA

Am Samstag führte die Reise erneut ins Calancatal, nachdem einige am Morgen den Wochenmarkt in Bellinzona besuchten. Ziel war Landarenca, ein kleines Bergdorf hoch über dem Talboden. Für Illnau-Effretikon besitzt das Bergdorf eine besondere Bedeutung, schliesslich nahm hier vor über fünfzig Jahren die Partnerschaft ihren Anfang.

Die Anreise erfolgte mit der Seilbahn ab Selma. Die kleine Bahn stellt seit Jahrzehnten die wichtigste Verbindung zum autofreien Dorf dar und überwindet die Höhendifferenz in wenigen Minuten. Normalerweise eröffnet sich während der Fahrt ein eindrucksvoller Blick auf das Tal und die umliegenden Berge. Doch an diesem Tag ziehen dichte Nebelschwaden durch die Hänge, immer wieder setzt Regen ein. Die Aussicht bleibt vielerorts verborgen. Statt weiter Fernsicht prägen Wolken, Nebel und feuchte Bergwälder das Bild.

Der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die mystische Atmosphäre verlieh dem Aufenthalt in Landarenca einen besonderen Charakter. Die traditionellen Steinhäuser und die Ruhe des kleinen Dorfes vermitteln einen Eindruck davon, wie das Leben in einer abgelegenen Bergregion funktioniert.

 

EINE SCHULE FÜR DAS GANZE TAL

Am Nachmittag besuchte die Delegation die Tagesschule in Castaneda. Die Anreise gestaltete sich allerdings etwas abenteuerlicher als geplant: Auf der ohnehin schmalen Bergstrasse sorgte eine Baustelle für eine zusätzliche Herausforderung. Nur mit äusserster Präzision gelang es dem Buschauffeur, die Engstelle zu passieren. Dabei blieben einige Kratzer am Fahrzeug nicht aus. Bevor die Fahrt fortgesetzt werden konnte, packten mehrere Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie Mitglieder des Stadtrates kurzerhand mit an und räumten Baustellenabschrankungen aus dem Weg. Die spontane Gemeinschaftsaktion sorgte für einige Schmunzler und Gesprächsstoff.

Die kurze Verzögerung machte einmal mehr deutlich, welche Herausforderungen das Leben in einem Bergtal mit sich bringen kann. In Castaneda wartete bereits das nächste Beispiel dafür: die Tagesschule für die Kinder aus dem gesamten Calancatal. Rund 30 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, die sämtliche Stufen vom Kindergarten bis zur 6. Klasse umfasst. Kinder ab vier Jahren müssen täglich mit dem Bus aus den verschiedenen Dörfern des Calancatals nach Castaneda reisen. Was in einer Stadt kaum auffällt, erfordert in einem Bergtal beträchtlichen organisatorischen Aufwand.

Schnell wird erkennbar: Die Schule ist weit mehr als ein Bildungsort. Sie ist ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im Tal und ein wichtiger Faktor dafür, dass Familien auch in den kleineren Dörfern wohnen bleiben können.

 

MEHR ALS EIN AUSFLUG

Am späten Samstagnachmittag trat die Delegation die Rückreise nach Illnau-Effretikon an.

Was 1972 mit der Unterstützung eines kleinen Bergdorfes begann, ist heute eine lebendige Verbindung zwischen zwei Gemeinden. Der Besuch in Calanca machte deutlich, dass diese Geschichte auch nach mehr als fünfzig Jahren weitergeschrieben wird.

 

 

Gruppenfoto