Leitartikel Juni 2026; Stadtrat Samuel Wüst
EIN SPANNENDER UMZUG
Nach vielen Jahren in Effretikon werde ich in den kommenden Tagen innerhalb unserer Stadt umziehen – von einem Einfamilienhaus in eine Eigentumswohnung in einer neuen Überbauung in Illnau. Es ist kein Wegzug, sondern vielmehr ein Perspektivenwechsel. Und doch ist ein solcher Schritt immer auch Anlass, über das Wohnen, das Zusammenleben und die Entwicklung unserer Stadt nachzudenken.
Effretikon wurde in den vergangenen Jahren mein Zuhause. Hier habe ich Nachbarschaften gepflegt, Veränderungen erlebt und die Entwicklung unserer Stadt als Einwohner und Stadtrat mitverfolgt. Viele Erinnerungen sind mit dem bisherigen Wohnort verbunden. Umso bewusster fällt der Entscheid aus, nun ein neues Kapitel aufzuschlagen.
Die neue Wohnung befindet sich in einer neuen, grösseren Überbauung. Besonders freue ich mich auf den Blick ins Grüne und in die Berge – ein Ausblick, der uns täglich daran erinnert, wie privilegiert wir in unserer Region leben. Gleichzeitig steht die Überbauung sinnbildlich für die Veränderungen, die viele Gemeinden im Zürcher Oberland derzeit erleben: Verdichtung nach innen, zeitgemässe Wohnformen und eine bessere Nutzung des vorhandenen Raums.
Der Umzug vom Einfamilienhaus in eine Eigentumswohnung entspricht auch einer Lebensphase, die viele Menschen kennen. Die Bedürfnisse verändern sich. Solche Wohnangebote ermöglichen es zahlreichen Einwohnerinnen und Einwohnern, innerhalb der Gemeinde zu bleiben und dennoch eine Wohnform zu wählen, die besser zu ihrer aktuellen Lebenssituation passt.
Besonders gespannt bin ich auf die neue Nachbarschaft. In die Überbauung ziehen Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten ein. Viele haben ihre Wurzeln in der Schweiz, andere stammen ursprünglich aus Südeuropa, Osteuropa oder Asien. Weitere Herkunftsgebiete werden dazukommen. Diese Vielfalt entspricht längst der Realität unserer Stadt. Sie ist kein Ausnahmefall mehr, sondern Teil unseres Alltags und unserer Identität geworden.
Eine neue Überbauung ist zunächst eine Ansammlung von Gebäuden. Zu einer lebendigen Nachbarschaft wird sie erst durch die Menschen, die dort wohnen. Gemeinschaft entsteht nicht automatisch. Sie wächst durch Begegnungen im Treppenhaus, Gespräche auf dem Spielplatz, gegenseitige Rücksichtnahme und die Bereitschaft, sich einzubringen. Alle Bewohnende bringen ihre eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Gewohnheiten mit. Daraus können Herausforderungen entstehen, vor allem aber Chancen.
Ich bin überzeugt, dass gerade diese Vielfalt eine Bereicherung darstellt. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, verschiedene Generationen und vielfältige Lebensentwürfe machen eine Gemeinschaft lebendig. Voraussetzung dafür ist der gegenseitige Respekt. Wer offen aufeinander zugeht, entdeckt oft mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
Als Stadtrat interessiert mich nicht nur meine persönliche Wohnsituation, sondern auch die Frage, wie sich unsere Stadt weiterentwickelt. Illnau-Effretikon wächst. Neue Quartiere entstehen, bestehende verändern sich. Entscheidend ist dabei nicht allein, wie viele Wohnungen gebaut werden, sondern wie sich das Zusammenleben gestaltet. Wohnqualität entsteht nicht nur durch Architektur, sondern vor allem durch das soziale Miteinander.
Mein Umzug nach Illnau ist deshalb mehr als ein Wohnungswechsel. Er gibt mir die Gelegenheit, die Entwicklung unserer Stadt aus einer neuen Perspektive zu erleben. Ich freue mich darauf, neue Nachbarinnen und Nachbarn kennenzulernen, Teil einer entstehenden Gemeinschaft zu werden und mitzuerleben, wie aus einer neuen Überbauung ein lebendiges Quartier wächst.
Nach vielen Jahren in Effretikon bleibe ich unserer Stadt natürlich treu – einfach mit einer neuen Adresse. Ich bin gespannt, welche Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen dieses neue Kapitel bereithält. Denn letztlich sind es die Menschen, die aus einem Wohnort ein Zuhause machen.
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