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Leitartikel Oktober 2026; Stadtrat Simon Binder

1. Oktober 2026

SIND SIE BEREITS KRISENFEST?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) hat wiederholt Pandemien und eine Strommangellage als die beiden mit Abstand grössten Risiken für die Schweiz identifiziert. Beide Gefahren weisen ge­mäss der Risikoanalyse sowohl ein grosses Scha­denspotenzial als auch eine erhöhte Eintretenswahr­scheinlichkeit auf. Mit einer Pandemie mussten wir in den Jahren 2020 bis 2022 bereits unschöne Er­fahrungen sammeln – doch ist uns eigentlich wirk­lich bewusst, welche Konsequenzen eine anhal­tende Stromknappheit für unseren Alltag mit sich bringen würde?

schon mein Grosi predigte früher das Sprüchli: «Klu­ger Rat – Notvorrat.» Aber zugegeben: Dieses Thema klingt auf den ersten Blick so staubtrocken wie der Boden auf unseren Feldern in diesem aus­serordentlich heissen Sommer. Für die Landwirt­schaft ist es aktuell ein Ausnahmejahr und wer keine Reserven eingeplant hatte, geriet rasch unter Zugzwang. Schon die Pandemie hat uns allen ein­drücklich die Augen geöffnet, wie schnell der Mensch zu emotionalen Panikkäufen neigt – man denke nur an das spontan ausverkaufte Klopapier oder leere Teigwarenregale – und wie rasch ein­schneidende Massnahmen plötzlich zur neuen Reali­tät werden können.

Bei einer echten Strommangellage würde der Bun­desrat Netzabschaltungen als «Ultima Ratio»-Mass­nahme anordnen. Zur Netzentlastung würden ein­zelne Teilnetzgebiete während festgelegter Inter­valle (zum Beispiel vier oder acht Stunden) abwech­selnd abgeschaltet. Schon jetzt ist klar: Ab diesem Zeitpunkt wären Stromgeneratoren genauso schwer verfügbar wie mobile Klimageräte während des vergangenen Hochsommers oder F35-Kampf­flugzeuge seit Ausbruch des Ukraine-Konflikts. Die Heizung zu Hause bliebe plötzlich kalt, die Kasse im Laden würde nur noch Bargeld akzeptieren und selbst das Handy fände mangels betriebsbereiter Funkmasten kein Netz mehr.

Ich will damit keineswegs Panik schüren oder Schwarzmalerei betreiben. Trotzdem ist festzuhal­ten, dass die Energieversorgungslage gerade durch­aus angespannt ist. So liegt der aktuelle Füllstand unserer inländischen Speicherseen aufgrund der ausbleibenden Niederschläge rund 10 % unter dem Mittelwert und befindet sich damit für diese Jahreszeit auf ei­nem ausserordentlich tiefen Niveau. Dasselbe Bild zeigt sich bei den europäischen Gasspeichern, die aktuell rund 16 % unter dem Mittelwert gefüllt sind. Dass die Schweiz über keine eigenen Gasspeicher verfügt, hilft der Sache auch nicht. Bereits zu Pan­demiezeiten wurden für die Schweiz bestimmte Schutzmasken-Lieferungen an der deutschen Grenze zurückgehalten – entsprechend wenig kön­nen wir uns wohl während einer Energiemangellage auf den Freihandel verlassen. Parallel zu den tiefen Speicherständen nimmt unsere Abhängigkeit vom Stromnetz stetig zu: So werden Gebäude zuneh­mend mit Wärmepumpen beheizt und die Mobilität wird mehr und mehr elektrifiziert. Kommt hinzu, dass die aktuell rekordhohen Preise für Heizöl, Die­sel und Benzin diesen Wandel zusätzlich befeuern.

Wie also schlagen wir die Brücke von diesem trockenen Thema zu einer positiven, aufmunternden Handlungsempfehlung? Vielleicht, indem wir der Krisenfestigkeit nicht mit Verunsicherung, sondern mit Schweizer Gelassenheit begegnen. Ein guter Notvorrat ist nämlich kein Zeichen von Angst, son­dern von purem Pragmatismus und gelebter Selbst­verantwortung. Ein paar Harassen Trinkwasser im Keller, eine funktionierende Taschenlampe mitsamt Batterien und genügend Teigwaren oder Konserven im Schrank nehmen enorm viel Druck aus einem möglichen «Worst-Case-Szenario».

Oder machen Sie ein Experiment daraus: Üben Sie doch mit der ganzen Familie einmal spielerisch ei­nen «Stromausfalltag» von der Tagwache bis zum Schlafengehen. Schalten Sie alle Smartphones aus und schauen Sie sich zur Abwechslung wieder ein­mal bewusst in die Augen. Sprechen Sie sich ab, wann der Kühlschrank kurz geöffnet werden darf, damit die verbleibende Kälte möglichst lange drin­nen bleibt. Kochen Sie gemeinsam auf einem einfa­chen Campingkocher eine heisse Suppe und ziehen Sie sich bei Kerzenschein einen gemütlichen Pullo­ver an. Sie werden sehen: Man rückt als Familie oder Nachbarschaft wieder näher zusammen und lernt scheinbar selbstverständliche Dinge des All­tags wieder ganz neu zu schätzen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie bestens gestärkt und allseits gut gerüstet.

 

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