Der Wald wird immergrüner
Jetzt, da sich die Bäume zunehmend verfärben und die ersten Blätter fallen, sticht eine Gruppe von Gehölzen immer stärker heraus: Die Immergrünen.
Unter den immergrünen Gehölzen finden sich einige einheimische Arten wie die Stechpalme, der Buchs oder das Efeu und natürlich die immergrünen Nadelbäume. Bei etlichen der immergrünen Arten handelt es sich jedoch um Neophyten, also um fremdländische Pflanzen. Einige von ihnen verhalten sich invasiv.
Am weitesten verbreitet ist wohl der Kirschlorbeer, der in manchen Waldflächen einen dichten Unterwuchs bildet. Gelegentlich gesellt sich der Runzelblättrige Schneeball dazu. Während sich seine einheimischen Verwandten, der Wollige und der Gemeine Schneeball, im Herbst wunderschön rot verfärben, behält der Runzelblättrige Schneeball seine dunkelgrüne Farbe das ganze Jahr über.
Einige der immergrünen Fremden bilden Ranken, allen voran das Henrys Geissblatt, das alles überwuchert, was in seiner Nähe wächst. Garten-Cotoneaster wie die Teppich-Steinmispel oder die Weidenblättrige Steinmispel, die in Gärten als Bodendecker angepflanzt werden, wachsen gelegentlich auch im Wald als dichte Teppiche.
IMMER MEHR, IMMER NEUE
Die Liste ist nicht abschliessend und lässt sich (fast) beliebig ergänzen, zumal immer neue Arten in den Wald drängen. So trat an einem Waldrand nahe Effretikon vor einem Jahr plötzlich eine unbekannte kletternde Pflanze auf. Entdeckt wurde sie im Spätherbst, weil sie noch grün war. Sie entpuppte sich als Kletter-Spindelstrauch, eine aus Asien stammende kletternde Verwandte unseres Pfaffenhütchens.
In den letzten Jahren hat sich die Chinesische Hanfpalme in unserer Region zu einem Problem entwickelt. Während früher nur einzelne Exemplare in unseren Wäldern zu finden waren, tritt sie seit zwei, drei Jahren zuweilen flächendeckend auf.
Woher die exotischen Gehölze kommen, ist klar: Die grössten Vorkommen finden wir stets da, wo der Wald an die Siedlung grenzt – der Beweis dafür, dass die Neophyten mehrheitlich aus Gärten und Parks stammen. Bei beerentragenden Exoten sind oftmals Vögel an der Verbreitung beteiligt, indem sie die Beeren fressen und über den Kot in der näheren Umgebung verbreiten.
Dass die immergrünen Exoten in den letzten Jahren stetig zugenommen haben, ist eine Folge der Klimaveränderung. Die Exoten sind oft nicht an tiefe Temperaturen angepasst. Im Gegensatz zu den einheimischen immergrünen Gehölzen sind ihre Blätter vielfach zu wenig robust und nicht frosthart. Während längeren Kälteperioden erfrieren sie deshalb. Doch seit die harten Winter seltener werden, haben die Exoten immer bessere Chancen, den Winter zu überleben.
Text und Bilder:
Barbara Leuthold Hasler
Zugehörige Objekte
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